Pharmaindustrie will Patientenperspektive in der Nutzenbewertung

Die 2011 eingeführte frühe Nutzenbewertung für neue Arzneimittel sollte aus Sicht der Pharmaindustrie dringend überarbeitet werden: Das Verfahren ist hoch komplex und die Grenzen der Methodik sind erreicht, erklärten Experten aus Ökonomie und Wirtschaft auf einer Veranstaltung des Pharmakonzerns Bayer. Der Gesundheitsökonom Axel Mühlbacher plädiert insbesondere dafür, Entscheidungskriterien aus Patientensicht stärker einzubeziehen.

Die mit dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) eingeführte frühe Nutzenbewertung galt von Anbeginn als „lernendes System“ und ist im Laufe der vergangenen Jahre bereits einige Male nachjustiert worden. Der Ruf nach Nachbesserung lässt auch weiterhin nicht nach. Das zeigte ein von Bayer veranstaltetes Pressegespräch zum Thema „Arzneimittel-TÜV auf dem Prüfstand“ am gestrigen Montag in Berlin. Der Pharmakonzern Bayer, der selbst einige onkologische Präparate in der Entwicklungs-Pipeline hat, hat selbstverständlich auch Interesse daran, dass seine neuen Arzneimittel eine Chance auf dem deutschen Markt bekommen.

Axel Mühlbacher, Professor für Gesundheitsökonomie und Medizinmanagement an der Hochschule Neubrandenburg, betonte, dass die Grenzen der vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit (IQWiG) aufgestellten Methoden erreicht seien. Das Problem: Die Kriterien für die Bewertung mögen noch transparent sein – doch wie werden sie gewichtet? Wie viel zählt die verlängerte Lebenszeit, wie stehen dazu möglicherweise stärkere Nebenwirkungen und was wiegt eine einfachere Anwendung – zum Beispiel eine Tablette statt einer Spritze? Ein Dossier, das der Hersteller für die Nutzenbewertung einreichen muss, sei keine klinische Studie, für die klar definierte wissenschaftliche Standards gelten.

(Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung – DAZ online)

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